“Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung.

Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, und nennt sich einen Knecht des Herrn. Er ist unserer Gesinnung ein lebendiger Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig; denn er führt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden.

Als falsche Münze gelten wir ihm; von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glücklich und prahlt, Gott sei sein Vater. 
Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. 
Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. 
Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennen zu lernen, seine Geduld zu erproben. 
Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. 
So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind.” (EU, 1980)
(Aus dem Buch der Weisheit, 1. o. 2. Jhd. v. Chr.)

So oder so, sie sind Verräter

Seit Wochen ringe ich nun mit diesem Beitrag über Spiritualität. Bis jetzt gefällt mir nur der Titel. Ich ging sogar so weit, einen alten, von mir als eigentlich schlecht und unvollkommen empfundenen Artikel zu posten. Nun lenke ich mich erneut ab. Und zwar mit dem Lieblingsthema der Deutschen. Dem Holocaust, genauer dessen Leugnung.

Darauf aufmerksam wurde ich durch das Scheitern des Parteiausschlussverfahrens von Bodo Thiesen. Aus der Piratenpartei, die ich, um Grass falsch zu zitieren, mit einer Art vorsichtigem Optimismus betrachte. Thiesen schrieb in einer Mailing-Liste, er hätte Germar Rudolf gelesen, und dies hätte seine Meinung über den Holocaust geändert.

Ein paar Worte zu Germar Rudolf: Ein Chemiker. Verurteilt, weil der den Zweck, nicht die Existenz der Gaskammern in Auschwitz-Birkenau anzweifelt. Angeblich waren es lediglich Entlausungsanlagen, um die Kleidung der Insassen von Parasiten zu befreien. In der Wikipädie (Ha!) steht, dies wäre auch wissenschaftlich widerlegt, eine solche These wäre nur haltbar, würde sie andere Fakten zum Holocaust ausblenden.

Nun gut. Ich möchte mich gar nicht mit lästigem Ballast wie historischen Fakten, Wissenschaft und Zeugenaussagen befassen. Ich möchte einfach nur die Idee, der Holocaust an den Juden Europas wäre erfunden, ein wenig auswalzen.

Angenommen, ANGENOMMEN, die Neonazis hätten recht, wäre es, so brutal es klingt, egal. Nicht irrelevant, nein, egal im Sinne von gleichwertigem Schaden, also genau so schlimm, verursacht von der Wurzel allen Übels, der Dummheit. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Argumentation, Hitler wäre ja in einen Krieg getrieben worden, nicht sein Regime wäre der Aggressor gewesen, sondern der jüdische Bolschewismus/die Tschandalen/die Weisen von Zion/etcpp.

Gut, ein paar Zahlen dann doch. Ein sehr guter Freund von mir, Bulgare, ein großer Geist übrigens, machte mich kürzlich darauf aufmerksam, dass im 2. Weltkrieg ca. 25 Millionen Osteuropäer, also Zivilisten, starben. Eine historisch plausible Zahl, und zwar inklusive der 6 Millionen Juden, um die es geht. Ich ziehe 10 Millionen ab, weil ich nicht dem Verdacht anheim fallen möchte, ich übertreibe, daher untertreibe ich. Nehmen wir nun an, den Völkermord an den Juden habe es gar nicht gegeben. 15.000.000 – 6.000.000 = ? (Adam Riese). Tja. Nun ja. Bleiben also genug Ermordete übrig. Ohne Vernichtungslager. Die gehen nicht alle aufs Konto der Nazis, sondern auch der Sowjets? Dies dürfte einem Opfer zwar gleichgültig sein, aber OK, halbieren wir, oder teilen wir meinetwegen durch zehn, mir einerlei. Es bleiben immer noch so viele Morde übrig, dass ich nun gern ohnmächtig werden würde. Ermordet wegen Verdachts auf Partisanentum, fahrlässig getötet durch Hunger und Seuchen. Das Grauen, das die Nazis entfesselt haben, wird nicht geringer. In keinster Weise. Aber es war ja Krieg, nicht wahr? Da ist ja alles erlaubt. Mitnichten. Die Ausrede, “die Alliierten haben ja auch Kriegsverbrechen begangen”, gilt nicht. Nicht für das Land der Dichter und Denker.

Führen wir die Gedankenspielchen weiter fort: Ein deutscher Patriot müsste doch eigentlich die Nationalsozialisten hassen (dazu komme ich gleich), schließlich sind sie auch daran schuld, einen Weltkrieg entfesselt zu haben, der zig Millionen Opfer forderte. Sind sie nicht? Hitler wurde ja in einen Krieg getrieben, wie Horst Mahler im Interview mit Michel Friedman sagte. Ein interessanter Zufall, dass er dann erstens in seinem Buch bereits von einer Eroberung der UdSSR schrieb und daraufhin, auch zufällig, seit seiner Machtergreifung die deutsche Armee wie besessen aufrüstete.

Jetzt gehen wir aber auch davon aus. Zusammengefasst, kein Holocaust, keine Schuld am Beginn des Krieges. Blenden wir nun auch noch den Schaden, den die Nazis in ganz Europa anrichteten, aus. Und beschränken uns auf die Nation, der Hitler zu ihrer von Natur aus zustehenden Größe verhelfen wollte, also Deutschland. Vor dem 2. Weltkrieg war in der Welt der Wissenschaften Deutsch eine der wichtigsten Sprachen. Davon übrig blieb, bis heute, nur noch die klassische Archäologie, und diese auch nur teilweise. Deutschland galt – nicht immer zu Recht, aber auch nicht zu Unrecht – als kulturelles Juwel, jeder anderen Nation ebenbürtig. Trotz verlorenem 1. Weltkrieg besaß “das Deutschtum” eine solche Anziehungskraft, dass die deutschen Juden mit die am besten Integrierten weltweit waren (Als Beispiel Victor Klemperer: “Kam aber eine Wahl im geringsten in Betracht, so bedeutete mir das Deutschtum alles und das Judentum gar nichts.”). Ich erinnere mich an einen Museumsführer in der Großen Synagoge in Berlin, der immer wieder betonte, dass damals Deutsche verfolgt wurden, die zufällig Juden waren. Unzählige Wissenschaftler, Intellektuelle, Künstler, die das Land verlassen mussten. Ein Aderlass, von dem sich diese Nation meiner Meinung nach nie wieder ganz erholen wird. Vielen Dank dafür, Nazis, dass Einstein, Zweig, Gödel, und wie sie alle heißen, auswandern mussten! Dazu noch die, die Ihr ins KZ (nur die, ich ignoriere hier die Vernichtungslager, auch wenn mir fast schlecht dabei wird) geschickt habt, ich erinnere an von Ossietzki! Und dann noch so tragische Nachkriegsgestalten wie den großen Furtwängler geschaffen habt, der ja sogar ein “Arier” war! Von den nach Kriegsende mitgenommenen Wissenschaftlern ganz zu schweigen, allen voran Wernher von Braun.

Nicht zu vergessen, dass die Amerikaner und Briten das Land in die Steinzeit zurückgebombt haben und die Sowjets aus Rache über die Verbrechen in ihrem eigenen Land dann hier selbst wie der Teufel gewütet haben. Ein Anführer, der sein Land liebt, hätte das verhindert, egal wie, es ist Hitlers Schuld, eine Kapitulation war doch bereits Mitte 1944 unausweichlich, das Stauffenberg-Attentat ist ein Indiz dafür. Ehrlich gesagt kann die deutsche Nation froh sein, dass sie heute noch existieren darf, ich hätte den ganzen Laden hier dicht gemacht, nach 2 Weltkriegen! Also aufgeteilt, unter Frankreich und insbesondere den armen Polen. Und das ohne Wissen über KZs und Vernichtungslager!  Churchill sagte nach dem ersten Weltkrieg bereits: “Deutschland, das ist genug für die Geschichte!”

Wie gesagt, ich muss es wiederholen, ANGENOMMEN, “die Juden” würden eine Mär vom Holocaust erzählen und Nazideutschland hätte einen “präventiven Verteidigungskrieg” geführt: Die Wahrheit trotzdem die Selbe: Nationalsozialisten sind Vaterlandsverräter.  Insbesondere für Patrioten, die ihr Land lieben. Das “Weltjudentum” hätte es nach diesem Krieg gar nicht nötig gehabt, so etwas zu erfinden. Und in die Scheiße geritten haben “uns” die Nazis, niemand anders. Und ich spinne weiter: So schlecht leben “wir unterdrückten Arier” doch gar nicht unter der Knute der “Weisen von Zion”, oder? Da geht es anderen Menschen auf der Welt viel schlechter.

Ein sehr spekulativer und auch konfrontativer Beitrag, ich weiß, ich bitte um Verzeihung. Mein Versprechen auf facebook, dieser Beitrag würde ausgewogener werden, konnte ich nicht einhalten. So geht es mir aber immer, wenn ich mich mit Wahn auseinandersetze. Ich möchte daran erinnern, dass ich schlimmstenfalls eine Art deutschsprachiger europäischer Kulturpatriot bin, und das auch nur mit dem Hintergedanken, dass überall auf der Welt Wunderschönes geschaffen wird. Aber wenn sich Leute irgendeinen Unsinn ausdenken, dann sollte man diese Gedanken auch zu Ende bringen. Und wegen dieser Unfähigkeit, Dinge zu Ende zu denken, bin ich der Meinung, Herr Thiesen ist als Politiker nicht geeignet.

Ich schließe mit G.K. Chesterton, der 1933 bereits formulierte: “The world will not forget the weird psychological effect of the Prime Minister of Prussia shouting at a prisoner supposed to be receiving a fair trial, “You wait till I get you outside” like a very low-class schoolboy threatening what he would do out of school. That sort of thing simply does not happen among civilised people: not even when they are very wicked people. How anybody can see such lunacy dancing in high places, in the broad daylight of political responsibility, and have any further doubt about the sort of danger that threatens the world, is more than I can understand.” Eigentlich hätte der Spuk da schon vorbei sein müssen.

Es ist nicht gut, dass…

(vom  26. Februar 2012)

Der Mensch ist ein geselliges Wesen, und zwar wohl schon, seit er existiert. Zum Zusammenleben gibt es Regeln. Diese Regeln haben den Zweck, einerseits die Gruppe selbst zu erhalten, als auch den Einzelnen. Soviel zu den “wohlwollenden” Gesetzen und Geboten. Eine für mich weitere Gruppe sind die Gesetze, Gebote und Regeln, die allein den Sinn haben, bestehenden Einfluss zu sichern oder zu vergrößern.

Ein Extrembeispiel dafür ist das Reichsermächtigungsgesetz von 1933. Der tatsächliche Name war übrigens “Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich”. Dies sollte wohl den Bürgern den Eindruck vermitteln, Hitler und seine Regierung müssten endlich alle Befugnisse erhalten, die sie brauchten, um Deutschland aus beispielsweise Arbeitslosigkeit, Straßenkämpfen — welch Ironie — und der als Schande empfundenen außenpolitischen Behandlung der Siegermächte zu führen. Es bestand hauptsächlich aus drastischen Einschränkungen der Rechte der Bürger und einer kompletten Außerkraftsetzung der Weimarer Verfassung. Zusammen mit der “Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat” war es der größten Schritt zur Machtergreifung.

Solch ein Vorgehen ist nicht selten, Notstandsgesetze setzen fast implizit andere Gesetze außer Kraft, um dem Staat mehr Handlungssspielraum zu geben. Wir selbst leben in einer Zeit, in der demokratische Staaten die Rechte ihrer Bürger einschränken, um beispielsweise Urheberrechte durchzusetzen, von der Terrorismusabwehr ganz zu schweigen. Über eine Notwendigkeit zu urteilen erspare ich mir, jedoch sind solche Gesetze in ihrer Reichweite bei Weitem nicht auf dem Niveau des sogenannten Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933.

Es gibt also “gute” und “schlechte” Gesetze. Die Balance zwischen Einschränkung von Rechten und dem Schutz der Freiheit der Person zu finden ist wohl einer der Hauptstreitpunkte in jeder Gesellschaft. Allerdings kann man nicht von der Hand weisen, auch ich als halber Anarchist nicht, dass es Gesetze gibt, die Sinn machen. Und zwar sind das meiner Meinung nach nur jene, die “gut” für den Menschen sind, also jene die nachhaltig das Beste für uns sind. Gott macht im Alten Testament aus einem Menschen zwei, weil er meint, es wäre nicht gut, dass der Mensch allein sei. Wenn Gott nicht direkt vorher das Essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse verboten hätte, wäre es die erste Handlung am Menschen gewesen, von seiner eigentlichen Schöpfung abgesehen. Ich glaube, die Unterstellung eines guten Willens des Schöpfers seiner Kreation gegenüber ist ein richtiger Ansatz.

Skandal: Gott spricht Menschheit frei! Engel enttäuscht!

Himmel. Mit großer Spannung wurde dem Urteil über die Menschheit entgegengesehen. Jeder einzelne Mensch wurde durchleuchtet, alles kam ans Licht, jede Verfehlung, jede gute Tat, alles. Nun, nach einer ganzen Ewigkeit,  spricht der Schöpfer des Universums seine eigene Kreation frei! Die Engel, die sich ihr komplettes Leben abmühten, sind empört. 

Als der Richter wieder den Saal mit den unzähligen Seelen, die zitternd Ihr Urteil erwarteten, betrat, und sein Urteil verkündete, trauten die anwesenden Engel ihren Ohren nicht. Die oberste Richter von allen sprach sie frei, diese widerwärtige, gierige, hinterhältige und zerstörerische Menschheit.

Zur Urteilsbegründung (auszugsweise): “Es stimmt, es gibt kaum jemand unter diesen, der sich nicht schuldig gemacht hat. Fast alle Männer und Frauen haben Grässliches im Laufe Ihres Lebens getan. Die guten Taten sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zum Abartigen, das von dieser Brut getan wurde. Es gab keine Zeit, in der kein Mord begangen, kein Wesen gedemütigt wurde, meine Schöpfung  nicht einfach nur aus Gier oder gar Langeweile zerstört wurde. Unzählige Frauen wurden geschändet, Kinder ermordet, Männer geistig zerstört, aufgrund von Ideen, ja sogar, und dies widert mich am meisten an, angeblich in Meinem Namen. Eigentlich verdient dieses Geschlecht die schlimmste Strafe, fast ohne Ausnahme.”

[...]

“Allerdings gibt es einige wenige, aber gravierende mildernde Umstände. Zum Einen ist es die fehlende Reife, wie ich bereits kurz vor meiner Ermordung sagte, keiner von diesen Kindsköpfen wusste wirklich, was er anrichtete. Zum Anderen, und dies wiegt viel schwerer, ist es die Vergebung, also der Großmut der Geschundenen, Geschlagenen und Ermordeten, über alles Grauen, das diese infantilen Wahnsinnigen verbreitet hatten, hinwegzusehen. Und dann, und dies war der endgültige Antoß, mich zu dieser Entscheidung zu bewegen, gab es solche, die sogar sich selbst opfern wollten, um Andere vor meinem Zorn zu schützen. Ich spreche die Menschheit frei, weil die Opfer von einer Strafverfolgung absehen wollen und niemand in diesem Saal, außer mir, wirklich zurechnungsfähig ist. Friede sei mit Euch allen, Ihr Spinner!”

Ihr habt doch alle Angst voreinander!

In der Schule gab es eine Lehrerin, die behauptete, schon das Wort “Jude” würde im Deutschland nach 1945 mal gar nicht gehen, dem ich damals energisch widersprach (ich darf das, meine Familie wurde von den Nazis verfolgt!). “Jüdisch”, also das Adjektiv, war dagegen komplett in Ordnung.

Eine Afroafrikanerin afroafrikanischer Herkunft, mit sehr dunkler Haut eben, meinte einmal zu mir, sie wäre stolz, wenn sie “Negerin” genannt werden würde (Do not try this at home!), weil es für sie enormes Identifikationspotential habe.

Einmal saß ich in der U8, ein junger, elegant gekleideter junger Mann (mit zentralafrikanischem Migrationshintergrund) stieg ein und fragte eine mit gegenübersitzende junge, schicke Frau, womöglich eine Studentin, ob die U-Bahn zur Osloer Straße fahren würde. Die Frau regte sich nicht. Der Mann fragte noch einmal, nun etwas eindrücklicher, vielleicht hatte die Frau ihn nicht gehört, obwohl sie keine Kopfhörer hatte.  Außer einem angedeuteten Zusammenzucken und demonstrativem Wegschauen war wieder keine Resonanz zu bemerken. Der Mann wandte sich, inzwischen ein wenig irritiert, zum dem mittelalten Herrn neben mir, mit derselben Frage. Zu meiner Überraschung wurde er wieder ignoriert, man konnte deutlich die Verzweiflung auf seinem Gesicht sehen. Einmal überhört werden kann passieren, aber zweimal? Daraufhin sagte ich ihm eben, dass er schon in der richtigen Bahn war. Mit genervtem Gesichtsausdruck schenkte der junge Mann mir ein Daumen-hoch und gin in den hinteren Teil der U-Bahn.

Ja, ich Held der Toleranz. So ein Schwachsinn. Ich sage bisweilen so böse Wörter, die, wenn ich Politiker wäre, mich wohl in Femtosekunden ins Abseits katapultieren würden. Aber ich bemühe mich, jeden Menschen gleich zu behandeln.

Ich unterstelle zumindest der jungen Frau, die ein deutsches Buch las, also Sprachbarrieren ausgeschlossen werden können, dass sie wohl nie einen “verbotenen” Begriff in den Mund nimmt. Wahrscheinlich aus Angst, wie die meisten Menschen, die meinen, man würde sie als Faschisten/Reaktionär/usw. brandmarken, sollte ihnen das Wort “Jude” entgleiten. Einen Menschen dann auch so behandeln ist dann scheinbar ein anderes Paar Schuhe.

Der große Philip Taegert, also Fil, erzählte bei einem seiner Auftritte, die ich besuchen durfte, Folgendes: Als er jung war, konnte man ab und zu einen politisch inkorrekten Witz reißen, weil man ja wusste, dass man kein Rassist war. Dann sah er ins Publikum und sagte: “Ihr habt doch alle Angst voreinander!”.

Wir Menschen sollten uns viel mehr Gedanken über Behandlung Anderer machen als über die Bezeichnung. Eine respektvolle Anrede ist natürlich unerlässlich, aber es sollte nicht nur dabei bleiben.

Ideologien bringen Menschen um

(Ursprünglich vom 16. Oktober 2011)

Ein beliebtes Mittel zur Widerlegung unterschiedlichster Ideologien ist Folgendes: Man reiht die Verbrechen, die im Namen der Ideologie passiert sind, auf und sieht das gesamte Konstrukt damit als widerlegt an.

Ein Beispiel dafür ist Karl-Heinz Deschner. Akribisch wird jedes Verbrechen, das von einem Mitglied der Kirche begangen wurde, aufgelistet. Das Werk hat inzwischen 10 Bände. Ich bewundere, mit welchem Fleiß Informationen zusammengetragen und zu Papier gebracht werden.

Mein eigenes Beispiel ist Joseph Kony, ein ugandischer Warlord, der beansprucht, ihm sei der Heilige Geist erschienen, und dass dieser ihm im Kampf anleite. (Aktuell ist er in aller Munde, man bewundere meine Weitsicht!)

Richard Dawkins ist ein weiteres. Er beansprucht, dass im Namen des Atheismus keine Verbrechen begangen wurden. Trotz seiner teils sehr unsachlichen Art danke ich ihm für seine Rolle als “Advocatus Diaboli” für mein Weltbild. Kritiker wie er zwingen mich, alles aufs Neue zu hinterfragen.

Zum Islam brauche ich wohl kein Wort zu verlieren. Es scheint klar, dass Osama bin Laden im Namen Allahs mordete und Islamisten ohne Religion keine Brutstätte für ihre Attentate hätten.

Auch außerhalb der Religionen finden wir dieses Schema. Stéphane Courtois hat als Herausgeber des “Schwarzbuchs des Kommunismus” seinen Teil dazu beigetragen.

Die Völkermorde eines pseudomystischen Wahnsinnskabinetts, das sich Nationalsozialismus nennt, lasse ich deshalb aus, weil Adolf Hitler in seinem Manifest “Mein Kampf” ausdrücklich von der Beseitigung einer Rasse schrieb.

Mich beschäftigt die Frage, ob man von einem Gedankenkonstrukt auf einen einzelnen Menschen schließen kann. Sozusagen, was zuerst existierte, Henne oder Ei, die Psychopathen oder der Missbrauch von Ideologien? Ist ein religiöser Mensch gefährdet, im Namen eines Gottes Verbrechen zu begehen?

Dawkins verneint dies sehr wohl, mit der Einschränkung, dass die Wahrscheinlichkeit, Verbrechen zu begehen, allerdings erhöht wird, wenn man religiös ist. Er verleiht seinem Weltbild im Gegenzug eine Nichtgreifbarkeit und umgeht damit sehr geschickt jeglichen Vorwurf, eine Person könne sehr wohl aus atheistischen Motiven töten. Man sollte diskutieren, ob die Christenverfolgungen in Nordkorea aus jenen Motiven erfolgen. Dawkins weicht dem aus, indem er den Kommunismus zur Quasi-Religion erklärt.

Wer daran zweifelt, dass es überall Wahnsinnige gibt, in jeder Organisation, der muss nur lange genug suchen. Es gibt keinen Auslesemechanismus, der per Naturgesetz unterbindet, dass ein Wahnsinniger (oder, viel schlimmer, eine wahnsinnige Teilideologie), eine Ideologie für seine Zwecke missbraucht.

Der Kommunismus trägt meiner Meinung nach zwar eine Revolution, die wenn nötig mit Gewalt durchgeführt wird, sowie eine Diktatur in sich, aber keinen Massenmord. Dazu gehören gestörte Paranoiker wie Josef Stalin, nicht Reformatoren wie Gorbatschow.

Auch ein Islamist ist ein gestörter Mensch. Ich möchte als Gegenbeispiel auf jene ägyptischen Moslems verweisen, die sich nach den Anschlägen des 01. Januar 2011 als menschliche Schutzschilde für Christen angeboten haben.

Es wird überliefert, dass Jesus Christus wegen des Vorwurfs der Blasphemie hingerichtet wurde. Einerseits wird Dawkins’ Standpunkt dadurch gestützt, denn es ist ein Verbrechen im Namen Gottes. Hintergrund war aber eben nicht Religion, es war eindeutig die Angst der etablierten Schichten vor einem Anführer mit großem Zulauf.

Eine große Ideologie mit vielen Mitgliedern wird zwangsläufig Anhänger haben, die diese missbrauchen. Ich denke, der Psychopath bleibt Psychopath, und wenn die Ideologie fort ist, sucht er sich einen neuen Vorwand. Ein Machtmensch wird sich ebenso einen neuen, lauteren Beweggrund ausdenken, um seine Macht auf Kosten anderer zu erhalten. Aus meiner Sicht werden die Wahnsinnigen ihrer drückenden Schuld entledigt, schiebt man ihre Verbrechen irgendeiner, womöglich im Kern gar wohlmeinenden Ideologie in die Schuhe.

Das Leben ist kein Kony-Hof

Sich diesem Thema zu nähern, erfordert entweder extremes Fingerspitzengefühl oder brutale Ignoranz. Ich versuche es mit Letzerem.

Also, fast jeder kennt dieses Video der Organisation “Invisible Children”. Ich muss, denke ich, kaum noch auf den Inhalt eingehen.

Kurz zusammengefasst war zuerst eine breit angelegte Zustimmung dazu zu spüren. In der jetzigen Phase erfolgt quasi eine virale Antikampagne. Angeblich steckten (wieder einmal) höchst amerikanische Interessen dahinter, also wie immer Erdölfelder, Kony wäre entweder die Spitze des Eisbergs, einer unter vielen und an sich hätte sich die ugandische Regierung auch Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Dieses youtube-Video zeigt ein Interview mit Kony persönlich, indem er alle Anschuldigen als Propaganda seiner Kriegsgegner abtut. Er macht nicht den Eindruck eines Wahnsinnigen, aber das heißt nun wirklich nichts, nicht wahr? In der Tat erschienen viele Diktatoren und Massenmörder sympathisch. Übrigens ist seine Lord’s Resistance Army aus Uganda vertrieben worden und hat sich in den Südsudan, den Kongo und die Zentralfrikanische Republik Kongo zurückgezogen. Warum US-Militärberater dann nach Uganda reisen, wo Kony nicht mehr ist, kann ich mir noch nicht ganz erklären.

Nun stellt sich mir die qualvolle Frage: Was soll ich denn nun glauben? Ist dieser Rebell ein Opfer einer sehr gut durchgeführten viralen Kampagne? Oder ist er wirklich der Menschenschlächter, der Kinder entführt und je nach Geschlecht entweder zu Zwangsprostituierten oder Kindersoldaten macht?

Was soll ich sagen, ich glaube, alles ist wahr. Erst einmal mischen sich die Amerikaner meiner Meinung nach selten irgendwo ein, wenn dort keine Rohstoffe zu sichern sind. Ich postuliere, dass es noch nie eine Armee gegeben hat, die keine Menschenrechtsverbrechen begangen hat. Und selbstverständlich bedienen sich Kriegsgegner aller verfügbarer Propagandamittel. Und wenn ein einzelnes Kind entführt und zu einem Soldaten gemacht wird, dann sollte eigentlich unser Gewissen auch dann schon laut aufschreien und nicht erst bei >10.000.

Ich habe lange gesucht und habe keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die Vereinten Nationen den Bürgerkrieg in irgendeiner Weise beenden werden. Soweit ich das sehe, endeten die letzten Missionen im Jahr 1994. Ich möchte aber einräumen, dass ich mich irren kann. Hat die UNO keine Handhabe für einen internationalen Konflikt, der er ja zweifelsohne ist, wenn die LRA in mehreren Ländern operiert? Kann man nicht zumindest Beobachter entsenden? Warum sind die Amerikaner wegen Kony in Uganda, aber nicht in den drei anderen Ländern? Das sind keine rhetorischen Fragen, wenn jemand meint, Antworten zu kennen, soll er nicht zögern und kommentieren. Ich wäre zutiefst dankbar!

Österreich – eine Hassliebeserklärung

Odi et amo. Ich hasse und liebe, schreibt Catull. Es ging ihm natürlich um eine Frau. Mir geht es ebenso um etwas Weibliches, um eine Nation. Austria, das Land meiner Mutter. Vorab möchte ich jeden, der gern Pauschalisierungen missversteht, zum Ignorieren dieses Artikels ermuntern.

Erst einmal hasse ich Österreich. Es ist ein Land voller Faschisten, ein Land, das sich schwer tut, sich seine Täterrolle im 2. Weltkrieg einzugestehen. Im Gegenteil wird sich angemaßt, sich als erstes Opfer Hitlerdeutschlands zu sehen. Dies so zu sehen, ignoriert die größtenteils nicht gestellten Begeisterungsstürme, mit denen die Wehrmacht empfangen wurde.
Ein Österreicher kann Dir das Leben unglaublich zur Hölle machen, meist indem er Dich bei einer Behörde anschwärzt. Wer die Gelegenheit hat, kann meinen Vater dazu fragen.
Fremdenfeindliches Pack, Ihr Österreicher! Gib zu, dass Du nur ein Halbblut bist, und Du hast es sehr schwer. Meine Mutter, gebürtige Wienerin, wurde in Gloggnitz, Niederösterreich, wo ich meine Kleinkindheit verbrachte, die “Deitsche von der Uferstroßn” genannt. Ich fürchte mich, zu denken, Fritzl und Priklopil könnten nicht überall passieren. Dass Hitler nicht auch jenseits des Inn geboren sein könnte. Austria, Du missgünstige, kleinkarierte, wahnsinnige Psychopathin! Wo sonst im deutschsprachigen Raum gibt es einen Ort namens Judenburg, mit folgendem Wappen:

Wikipedia gibt dazu an: Beschreibung des Wappens (Blasonierung): „Im roten Schild ein linksgekehrter weißer, mit Judenhut bedeckter Judenkopf.“ Austria, bist Du denn total übergeschnappt?!

 

 

Was mich aber am meisten aufregt, sind Deine Minderwertigkeitsgefühle den Deutschen gegenüber. Seit wann muss sich denn ein Mensch bei einer Maschine für seine Fehlbarkeit entschuldigen!

Und dann, ja, dann gibt es das Andere. Das Schöne. Begnadet dafür bist Du, wie es in Deiner Hymne steht. Über Mozart, Karajan, Waltz, Falco, Fuchs, Zweig, Schrödinger spannt sich diese Gnade, um nur einen Bruchteil zu streifen. Ein österreichischer Liedermacher ist so viel wert wie 10 deutsche. Hader ist allen deutschen Kabarettisten um Lichtjahre überlegen. Du erfandest die Schiffsschraube, die erste Quantenteleportation wurde 1997 auf Deinem Boden vollzogen. In fast allem bist du bahnbrechend. Wenn Du Dir vornimmst, in etwas gut zu sein, landest Du fast automatisch an der Weltspitze.

So unglaublich lieb kannst Du sein. So lieb wie niemand anders auf der Welt. Dein vielbewunderter, teils auch überbewerteter Charme ist eng damit verknüpft. Süß bist Du auch, zum Beispiel wenn einer Deiner Kellner mir kommt, mir das schaurige Stiegl-Flaschenbier aus der Hand nimmt, um mir einen Plastikbecher zu geben, damit ich den Schwedenplatz nicht bescherben kann, und dann nach fünf Minuten mit genau derselben Flasche wiederkommt, mit dem Satz: “Hau’s hoid keinem aufn Kopf…”, dann möchte ich Dich umarmen und küssen.

Dein Humor ist großartig. Zum Beispiel die Spielart, sich selbst aus Spaß schlechter zu machen als man ist. Deutsche zum Beispiel interpretieren dies oft als Eingestehen einer echten Schwäche.

Wie ich sagte, ich hasse Dich. Und ich hab Dich sehr lieb, du alte, hässliche, grausame, wunderschöne und zuckersüße Frau.